Ich liebe Spargel. Noch ist sie da, die Spargelzeit, und ich mag den Gedanken, dass ich gerade innerhalb der Öffnungszeiten jederzeit zu meinem Spargelbauern fahren und dort Spargel einkaufen kann. Ganz frisch ist er, und in diesem Jahr habe ich eine ganz neue Kombination kennengelernt: Matjes und Spargel! Ein Gedicht!

Huch, nein, heute gibt es hier kein Rezept. Nimm den Tipp und probiere selbst, wie das schmeckt. (Pssst: Es war Spargelsalat, und dazu ganz leicht geräucherter Matjes – nicht, dass Du mich für geheimnisvoll erklärst, obwohl mir das auch gefallen würde. Im Bild oben siehst Du übrigens die Spargel mit Gorgonzola-Sauce-Variante – auch sehr lecker).

Lies heute hier, warum Du Dir gewisse Erlebnisse nicht aufheben solltest, und warum das gerade in unserem Alter noch wichtiger ist.

Zur rechten Zeit – Würdige den Moment

Ich denke, wir neigen ganz oft dazu, die Momente nicht so zu nehmen, wie sie sind. Oder das, was in den Momenten gerade passiert. Wie oft sind wir mit den Gedanken woanders, und wie oft hoffen wir auch, dass wir ein Erlebnis ähnlich wiederholen könnten, auch wenn wir schon wissen könnten, dass das so nie passieren wird? Wir hoffen auch so oft, uns etwas aufheben zu können.

Ganz schön Haase

Weil ich Spargel so mag, werde ich immer ein bisschen traurig, wenn es Ende Juni wird und damit das Ende der Spargelzeit erreicht ist. Letztes Jahr war ich dann noch Anfang Juni drei Wochen in Europa unterwegs (seufz, so was von schön!) und als ich zurückkam, habe ich vor lauter Verzweiflung Spargel gebunkert. Ich dachte mir so, dass ich doch auch mal Spargel einfrieren könnte. Und so wurde es gemacht.

Interessanterweise habe ich – obwohl der Spargel ja nun immer für mich verfügbar gewesen wäre – erst einige Zeit später an meine Vorräte im Tiefkühlfach gedacht. Und noch interessanter war, dass ich zunächst überhaupt keine Lust auf diesen Spargel hatte, der da einfach nur darauf gewartet hat, zubereitet und verspeist zu werden.

Also habe ich ihn noch ein bisschen länger dort frieren lassen. Erst in der kalten Jahreszeit erinnerte ich mich wieder an das Gemüse. Lust hatte ich immer noch nicht so recht, mir den Spargel zuzubereiten. Aber es ist nun einmal ein geniales Gemüse, dass sich so vielfältig zubereiten lässt! Also habe ich einen Teil des Spargels gekocht und mir irgendwie versucht, darüber Appetit zu holen.

Und dann habe ich den Spargel noch weniger gemocht.

Ich habe es zweimal probiert, und dann entschied ich: Diesen Spargel mag ich nicht essen. Meine Nachbarin hat sich gefreut über meine Spargel-Geschenke (der Rest des Tiefkühlguts ging an sie), und ich war froh, ihn los zu sein. Ein bisschen zweifelte ich, ob ich denn Spargel überhaupt noch mag.

Im April fing dann die Spargelzeit wieder an. Und ich hatte so was von Lust auf Spargel!

Seitdem esse ich fast täglich das, was mir so schmeckt. Es ist ein wunderbarer Genuss, und ich bin froh, so entschieden zu haben. Ich werde mich im nächsten Jahr wieder auf die Spargelzeit freuen.

Zu rechten Zeit – die Zeit für etwas

Ich habe über all das länger nachgedacht und für mich etwas erkannt, das ich Dir gerne zum Nachdenken mitgebe:

Wenn Du denkst, dass Du Dir etwas für später aufheben kannst, könnte es sein, dass es Dir später überhaupt nicht mehr gefällt.

Es ist nicht die Zeit für etwas, für das gerade nicht die Zeit ist. So gibt es eine Spargelzeit, und wenn gerade keine Spargelzeit ist, schmeckt Dir der Spargel womöglich nicht.

Abseits vom Spargel kannst Du dies auf vieles übertragen: Es ist mal die Zeit der Ruhe. Dann ist Ruhe dran. Ruhe und sonst wenig. Diese Ruhezeit kannst Du nicht aufschieben. Und solltest es auch nicht. Wenn Ruhe angesagt ist (und das spürst Du, da bin ich sicher), dann respektiere das. Dann halte Ruhe.

Eine andere Zeit kann die der Aktivitäten sein. Die wollen dann ebenfalls erlebt und gelebt werden. Sie zu verschieben, sie irgendwann nachholen zu wollen, das funktioniert auch in den seltensten Fällen.

Es gibt auch die Zeit der Begegnungen. Da lernst Du Menschen kennen, und irgendwie wächst der Bekanntenkreis. Und es gibt die Zeit, in der Menschen gehen, weil sie andere Interessen und Menschen gefunden haben und sich gezeigt hat, dass man sich doch nicht so viel zu sagen hatte. Zumindest hat es nicht für eine längere Zeit gereicht.

Es gibt die Zeit, in der Du besser alleine und ohne Partner aufgehoben bist. Stell Dir beispielsweise vor, dass Du Dir gerade ein neues Business aufbaust. Da kann ein Partner schon auch hinderlich sein. Das ist gar nicht böse gemeint, aber schließlich hat ein anderer Mensch, der so dicht bei Dir ist, auch seine Rechte, und die kommen womöglich zu kurz in der Zeit.

Und es gibt die Zeit, in der ein Partner an Deiner Seite wichtig ist. Nicht unbedingt, weil Du ihn brauchst, aber weil Ihr Euch ergänzt und zu zweit wunderbare Dinge gestaltet und erlebt.

Aber keinen dieser Zeiträume wirst Du konservieren und in den nächsten mitnehmen wollen. Weil es einfach nicht passen würde. Du hättest vielleicht gar nicht mehr Gefallen daran.

Zur rechten Zeit – nutze Deine Erfahrung

Wenn wir alles für später konservieren könnten, wäre manches womöglich einfacher. Aber es wäre auch manches fad und würde uns nicht schmecken. Wir hätten wahrscheinlich auch gar nicht immer Lust darauf.

Insofern lebe das, was gerade dran ist, genau in diesem Moment. Hebe Dir nichts auf, verschiebe nichts, glaube nicht, dass ein besserer Zeitpunkt kommen könnte. Sei Dir bewusst, dass Du jetzt in einem Alter bist, in dem Du sehr gut einschätzen kannst, für was gerade die Zeit ist und für was nicht. Das ist der Vorteil, bei dem Du all Deine Erfahrung einbringen kannst. Es ist auch fast eine Pflicht, denn aufschieben ist doch wirklich nichts, was wir noch tun sollten. Du musst Dir dafür nur ein bisschen Zeit nehmen, um dies bewusst zu erkennen.

Dieses Nicht-Aufschieben könnte der Schlüssel für so vieles sein. Man denke da nur an Beziehungen – welcher Art auch immer – die bewahrt werden, weil sie eben immer schon bestanden. Ähnliches gilt für Familienbünde. Vielleicht muss manches für eine Zeit gelöst werden (was ja nicht gleich das totale Aufgeben der Verbindung heißt, aber ein Abstand könnte gut sein), um dann erstarkt zu einem anderen Zeitpunkt wieder Sinn zu ergeben.

Vielleicht gibt es aber zu einem anderen Zeitpunkt auch andere Aufgaben mit anderen Mitteln und anderen Menschen.

Es gibt Zeiten der Muße und Zeiten der Aktivität, Zeiten der Liebe und Zeiten der Trauer, Zeit für Menschen, Zeit für Rückzug.

Es gibt für alles eine richtige Zeit. Da gilt nur, sie zu erkennen und dem nachzugehen.

Gerade ist noch Spargelzeit. Ich werde mir nichts aufheben für später, sondern lieber das genießen, was da ist. Und Du?

Kannst Du das, was gerade jetzt ist, annehmen? Oder hebst Du lieber auf? Wie sind Deine Erfahrungen? Schreib mir gerne einen Kommentar dazu.

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