Seit Wochen plane ich, viel mehr über Nicht-Aufreger und die schönen Seiten des Lebens zu schreiben. Die, die es ausmachen, sich relativ jung fühlen zu können. Und die gibt es. Aber es gibt da noch die anderen Seiten. Das Leben ist eben bunt. Für viele soll ihr Leben außerdem daraus bestehen, möglichst viel von allem und am besten noch kostenlos oder geschenkt zu erhalten: Zum Nulltarif!

Aber Leute: SO LÄUFT DAS NICHT!

Lies heute davon, dass alles seinen Preis hat, und wir im Ergebnis endlich damit aufhören müssen, das Recht zu fordern, etwas geschenkt bekommen zu MÜSSEN (für manche scheint dies schon eine Art Grundrecht geworden zu sein). Erfahre, wie Du dazu beitragen kannst, dass die Dinge (wieder) ihren Wert erhalten.

Ganz schön Haase

Da sitze ich also vor ein paar Tagen nichtsahnend in der S-Bahn, die mich an den Ort bringt, an dem ich immer mal einen Teil meines Geldes verdiene. Und ich sehe Herrn Detlef Soost an der Fensterscheibe kleben.

Jajaja, es war nicht er persönlich, aber es war ein Werbe-Aufkleber mit seinem Konterfei. Wenn er es selbst gewesen wäre, hätte ich wiederum eine der üblichen Verspätungen erlebt. Und sicher wäre der Anblick auch nicht schön gewesen. Glück gehabt, auch wenn ich mich aufregen musste! Ich habe den Aufkleber auch fotografiert. Das Beweisstück kann ich hier aber leider nicht zeigen, da ich sicher nicht berechtigt bin, das Firmenlogo und den Aufkleber einfach so zu veröffentlichen.

Neben dem Bild von Herrn Soost entdecke ich eines dieser Wörter, die ich seit längerer Zeit mit Abscheu betrachte: Nulltarif! In Kombination mit Gesundheit wird mir da gleich noch übler: Gesundheit zum Nulltarif! Ach wie schön…! (Und Ironie aus!)

Hey, ich freue mich auch über Geschenke und kostenfreie Snacks oder einfach Dinge, die man tun kann, ohne dafür Geld bezahlen zu müssen! (Geh doch beispielsweise mal raus in die Natur. Kostet kein Geld und kann richtig Freude machen. Dieses Erlebnis kannst Du Dir selbst schenken.)

Aber „Gesundheit zum Nulltarif“? Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich gerade wieder loswerden möchte (um das K-Wort nicht zu benutzen; ein bisschen zu benehmen weiß ich mich ja auch).

Gesund wäre es irgendwie auch nicht.

Gesundheit zum Nulltarif – Hirn einschalten!

Nichts, das Dir ein anderer Mensch jemals schenkt, ist ohne Preis. Niemals. Wenn hinter einem Menschen ein Unternehmen steht, gilt das umso mehr. Werbegeschenke? Sind in den Preisen der Produkte einkalkuliert. Ein Rabatt? Ist manchmal nur Schein und Lockmittel, und verdient wird eben immer noch.

Alles hat immer seinen Preis, gerade in der Geschäftswelt. Ja, weißt Du. Aber dennoch ertappst Du Dich auch immer wieder, mal wieder reingefallen zu sein. Oder? ODER? (Wenn nicht: Gratulation – dann erzähle uns davon und schreibe mir einen Kommentar; ich liebe Menschen, die sich im Griff haben!!!)

Gesundheit zum Nulltarif – Geben und nehmen

Viele Beitragszahler bezahlen dafür, dass andere oder sie selbst davon profitieren, diese „Gesundheit zum Nulltarif“ zu erhalten. Ich bin ganz sicher, dass Herr Soost bzw. die Firma dahinter Geld für das Programm erhalten möchte. (Die Firma werde ich hier übrigens nicht nennen, denn mir könnte dann wiederum zur Last gelegt werden, dass ich Werbung für sie mache. Insofern bleibe ich bei der Leitfigur. Als Bloggerin hat man es echt nicht so leicht, seufz…)

Wenn Du das Programm als Privatperson und nicht über die Krankenkasse erwirbst, bezahlst Du für die zehn Wochen einen bestimmten Betrag. Das ist ja auch in Ordnung, denn in dem Programm stecken Ideen, Entwicklungs- und Marketingkosten. So etwas kostet nun einmal Geld, darf es auch kosten, und alle, die dazu beigetragen haben, möchten ja auch von etwas leben. Zu verschenken hat Herr Soost auch nichts.

Also wird jedes Programm, das nun über die Krankenkasse bezahlt wird, mit ungefähr dem Betrag, den das Programm kostet, bezuschusst (ein bisschen günstiger wird es für die Krankenkasse vielleicht sein, aber nur ein bisschen).

Klar merkst Du dann nun nicht unmittelbar, dass diese Gesundheit zum Nulltarif doch ihren Preis hat. Du merkst es vielleicht aber daran, dass Du beispielsweise einen Termin, der wichtig wäre, beim Facharzt erst in einigen Wochen erhältst. Denn die Terminvergabe hängt stark mit dem Budget des Facharztes zusammen, das ihm aus dem großen Topf zugestanden wird.

Vielleicht wäre das Budget von allen Ärzten etwas höher, wenn dafür so einige Kosten, die an anderer Stelle aufgewendet werden, nicht entstehen würden. (Sind nur mal so meine 5 Cent an Gedanken, die natürlich plakativ aber deshalb nicht weniger richtig sind. Klar gibt es viele solcher Kosten an anderer Stelle. Warum prangere ich nun gerade dieses Programm an? Tue ich nicht, möchte ich auch nicht. Es dient nur als Beispiel.)

Dafür bekommst Du aber dann Gesundheit zum Nulltarif an anderer Stelle. Dafür bist Du doch gerne bereit, im Krankheitsfall mal etwas zu warten, oder? Oder doch nicht?

Gesundheit zum Nulltarif – Was wäre, wenn?

Ich erlebe es so oft, dass Menschen sich zu irgendwelchen Kursen anmelden, die kostenfrei über die Krankenkasse angeboten werden: „Kostet ja nichts, weil die Kasse den Beitrag übernimmt“. Aha. Ist Dir Deine Gesundheit nichts wert, oder besser gefragt: Wäre der Kurs nicht kostenfrei; würdest Du ihn dann auch besuchen? Oh… Wieso nicht?

Und nein, es geht nicht darum, dass im Rahmen der Vorsorge und des um-sich-Kümmerns keine Angebote mehr bezuschusst werden sollen. Es kann für einen Bruchteil der Nutzer ein Einstieg in eine gesündere Lebensweise sein. Kann.

Mich nervt allerdings ein Angebot, das nicht dem hilft, der es wirklich brauchen könnte, sondern dem, der es entdeckt, weil der Anreiz „Gesundheit zum Nulltarif“ ist. Wie ernsthaft ist die Anstrengung von jemandem zu werten, der für eine Leistung kein Geld bezahlen möchte? Kenne ich auch aus anderen Bereichen: „Was nichts kostet, ist nichts wert“.

So einfach kann es sein. Und ist es auch (leider)!

Nun ist dieses Programm insgesamt kein gutes Beispiel für Erfolglosigkeit. Ich möchte nicht wissen, wie oft es zuvor schon von Menschen gekauft wurde. (Wie die sich nun wohl fühlen? Oder nutzen sie es jetzt noch einmal, weil es ja nun nichts mehr kostet? Denkbar wäre es.)

Sicher haben auch einige der Käufer für sich Erfolge damit erzielt. Als Krankenkassenmitglied würde ich allerdings fragen, warum denn das Angebot von XYZ, das diesem Programm sehr ähnlich ist, nicht ebenso bezuschusst wird. (Da hat halt jemand eben gute Kontakte genutzt. Auch das sollte stutzig machen. Aber so läuft es nun einmal.)

Gesundheit zum Nulltarif – aber nicht ohne Anstrengung!

Wenn Du das Angebot annimmst, muss Du zumindest ein paar Wochen lang ordentlich was tun: Du wirst Deine Ernährung umstellen, ein paar sportliche Einheiten in Dein Leben integrieren und damit womöglich abnehmen oder Dich einfach besser fühlen. Jepp, das ist gut! Und dann?

Ich finde, das Wort Nulltarif impliziert auch irgendwie, dass es womöglich einfach wäre. Ist es nicht. 10 oder 12-Wochen-Programme sind immer der Einstieg in etwas, das Du lebenslang tun solltest. Dann… Dann ja, damit kannst Du dauerhaft vielleicht schlanker (das muss ja nicht automatisch gesünder sein) oder mit mehr Wohlgefühl im Leben stehen. Wenn Du dranbleibst und verstärkt durch eine der Facebook-Gruppen (die gab es schon vor der Nulltarif-Aktion) mit Menschen, die sich gegenseitig unterstützen, ist da einiges möglich.

Aber Nulltarif? Nein, ich mag das Wort immer noch nicht. Denn es wirkt wie „5 Kilo in drei Tagen“ – irgendwie hat das einen Beigeschmack.

Gesundheit zum Nulltarif – Warum nicht mal anders?

Ich rate Dir, zu überlegen, WAS Du für Dich tun möchtest, WENN Du etwas für Dich tun möchtest. Tue bitte nichts, weil es nichts kostet und Dir deshalb „geschenkt“ werden soll. Denn das kannst Du Dir meist schenken.

Mache es, weil es Dir guttut. Probiere aus und teste. Gebe Geld aus für gute Angebote (es kann ja immer noch preiswert sein – nämlich: den Preis wert). Aber lass Dich nicht für dumm verkaufen und entwickle ein Bewusstsein dafür, dass alles seinen Preis hat.

Überhaupt suche ich Menschen, die bereit sind, für eine gute Leistung Geld zu bezahlen. Schließ Dich mir gerne an! Entwickle ein Gespür dafür, was wertvoll ist und seinen Preis haben darf.

Es heißt ja nicht, dass Du Geld für etwas ausgeben musst, das sein Geld nicht wert ist. Aber wir müssen unbedingt wieder dahin zurückkommen, den Wert einer Dienstleistung, eines Werks, einer Sache und vor allem auch dem Menschen dahinter zu erkennen und anzuerkennen. Einige müssen womöglich überhaupt erst dorthin kommen, weil sie dort noch nie waren. Mach mit oder fang heute damit an!

Gesundheit zum Nulltarif: Es geht doch viel besser!

Und Dir hoffentlich auch.

(Übrigens kannst Du jetzt immer noch einfach mal vor die Tür gehen. Es weht ein frischer Wind da draußen, und wenn Du ein paar Schritte gegangen bist, wurdest Du auch mal ordentlich durchgepustet. Das tut auch gut, und dafür musst Du auch kein Geld ausgeben. Kosten wird Dich das dennoch etwas: Zeit. Insofern…)

Schreib mir, wie es Dir ergangen ist. Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

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